Großer Kolben Wasserkäfer – Hydrophilus piceus

Großer Kolben Wasserkäfer – Hydrophilus piceus

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Der „Großer Kolben Wasserkäfer“ war heute „DIE“ Entdeckung des Tages!
Großer Kolben WasserkäferWieder mal auf dem Weg zu einem ausgiebigen Spaziergang, entdecken wir etwas kleines schwarzes auf der Teerstraße. Fast sind wir vorbei, als unser Hundi daran schnuppert und wir näher hinsehen, was es ist – ein schwarzer großer Käfer, den keiner von uns kennt.
Wir nehmen ihn von der Straße und begutachten – hm – die Beine und die Form sehen eher wie ein Wasserkäfer aus…
Wir sehen nach und finden auch schnell seinen Namen – Großer Kolben Wasserkäfer – Hydrophilus piceus. Seinen Namen hat er wegen seiner Größe und den kolbig verdickten Fühlern. Der Große Kolben Wasserkäfer wird bis zu 5 cm lang und ist der größte Wasserkäfer von ganz Europa! Wir finden schnell heraus, dass dieser Käfer unter Naturschutz steht. Er ist sehr selten und leider zunehmend gefährdet. Ein besonderer Fund, deshalb passen wir auch ganz besonders auf ihn auf.
Großer Kolben WasserkäferUnser Käfer tut sich unwahrscheinlich schwer an Land und rennt immer wieder auf die Straße, hat also nicht die beste Orientierung und kippt ständig um. Seine Körperform sieht irgendwie bootsförmig aus finden wir – also wie das Unterteil eines Bootes. So gleitet er sicher gut durchs Wasser. Als unser Großer Kolben Wasserkäfer wieder mal auf dem Rücken liegt, entdecke ich einen richtig starken Dorn am Bauch, man nennt diesen auch Stachel. Am besten ist es, den Käfer nicht mit der Hand zu umschließen und zu quetschen, da er richtig zustechen kann! Aber ein normaler Mensch tut so etwas eh nicht.
Das Männchen kann sogar Töne mit einer speziellen Vorrichtung am Hinterleib erzeugen, um mit den Weibchen zu kommunizieren (so viel zum Thema Tiere hätten keine Sprache so wie der Mensch und wären deshalb nicht so intelligent…)
Es heißt, dass der Wasserkäfer etwa alle 5 Minuten auftaucht um Luft zu holen. Um dies zu tun zittert er mit seinem Leib und speichert das mit dem Plastron eingeholte Luftpolster an seinem mit Haaren bedeckten Bauch sowie einen kleineren Teil unter den Flügeldecken. Je nach Sauerstoffgehalt des Wassers taucht er häufiger oder eben weniger häufig auf.
Absolut abgefahren wird es bei der Brutpflege der Wasserkäfer. Das Weibchen baut ein sogenanntes „Schiffchen“, welches etwa 2 cm lang ist, unten flach und oben gewölbt. Es hat sogar einen „Schornstein“! Vier bis fünf Stunden braucht das Weibchen für Bau und Eiablage in das Schiffchen, welches nach erfolgreicher Eiablage (etwa 50 Eier) mit einem Deckel verschlossen und mit einem Hörnchen „verziert“ wird 😉  (es gibt immer wieder Künstler unter den Tieren). Der Schwerpunkt des ganzen Konstruktes liegt unten, denn im oberen Teil wird das Schiffchen nur mit lockerem Gespinst verwoben. Sollte das Schiffchen einmal umgestoßen werden, würde es sich trotz der Belüftungsvorrichtung (des Schornsteins) wieder aufrichten.
Wiedermal Absolute Spitzenklasse im Tierreich. Es gibt keine Brutpflege. Die Wasserkäfer-Kinder sind von Anfang an auf sich allein gestellt. Nach 16-18 Tagen schlüpfen die Larven. Die Larven des Großen Kolben Wasserkäfer sind sehr beweglich und können sich dadurch fischartig fortbewegen. Sie fressen Schnecken (Tellerschnecken und Schlammschnecken)  und sollen sie selbst zur Beute werden, stellen sie sich tot. Sollte das nicht helfen, stoßen sie ein schwarzes, stinkendes Sekret aus und haben so die Möglichkeit zu entkommen. (Kennen wir irgendwie von den Tintenfischen…)

Der Weg zum ausgewachsenen Käfer ist jedoch lang. Der Wasserkäfer durchläuft drei Larvenstadien, bis er sich nach 4-6 Wochen im Hochsommer verpuppt. Er kann mehrere Meter an Land zurück legen, bis er einen geeigneten Untergrund für seine nächste Verwandlungsstufe gefunden hat, ein Ort, der zwar feucht ist, aber vor Hochwasser geschützt und nicht zu verdichtet. Er verpuppt sich fantastischerweise in einer selbst gebauten Höhle. Von außen sieht seine Höhle aus wie eine grobe Erdkugel.
Großer Kolben WasserkäferDer Große Kolben Wasserkäfer braucht ein Gewässer, welches tief genug ist, damit er dort überwintern kann! Ein seichtes Gewässer würde ihn auffrieren lassen. In der Nacht ist er auf großen Erkundungsausflügen unterwegs – er fliegt weite Strecken und wird von Licht angezogen. Vielleicht haben wir ihn deshalb mitten in der Siedlung gefunden, da, wo er gar nicht hingehört. Unser kleiner großer Freund kann bis zu 3 Jahre alt werden, ernährt sich hauptsächlich von sich zersetzenden Wasserpflanzen, teils auch verwesender Fisch und jedes Frühjahr hat er die Chance, sich weiter zu vermehren.
Sein Vorkommen ist Europa, Nordafrika, Naher Osten und sogar Sibirien. Er mag Gewässer mit Pflanzenbewuchs, die eine gute Wasserqualität aufzuweisen haben, also nicht stärkeren, eutrophen Charakters sind! Es soll ja genug Sauerstoff vorhanden sein. Der Große Kolben Wasserkäfer steht in Deutschland leider auf der „Roten Liste“ und sein Vorkommen geht von gefährdet über stark gefährdet bis hin zu vom Aussterben bedroht und ausgestorben bzw. verschollen. 🙁 Schuld an dem Aussterben ist die intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Großer Kolben WasserkäferFlächen mit Düngern, welche bei Eintrag in das entsprechende Gewässer ein vermehrtes Pflanzenwachstum hervorrufen, das wiederum zur Aufzehrung von Sauerstoff führt. Dieser wiederum führt zu einem Rückgang der Schnecken, die der Kolben Wasserkäfer frisst.
So ein ganz besonderer Käfer muss natürlich an einen ganz besonderen Ort, an dem er leben kann und so bringen wir ihn zum in der Nähe gelegenen See, der ganz nach seinem Geschmack sein dürfte.
Wir wünschen dir ein gutes Leben, Hugo, kleiner Freund und hoffen, dass du und deine Artgenossen sich wieder reichlich vermehren.

Ein gutes Leben, deine Conny Keule 

Verfolgen Conny Keule:

Dipl.-Ing.(FH) Umweltsicherung

Liebe ist... Natur, Gesundheit und gute Rezepte ;-)

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